Wikinger von SEGA, ein Schnelldurchlauf.
NEGATIVES!
Der Held ist lächerlich, sieht total unwikingisch aus, sagt nichts (grunzt nur ab und an mal) und funktioniert überhaupt nicht. Hat mir nicht gefallen.
Die Story hat mit den tatsächlichen Vorlagen recht wenig gemeinsam, auf Fantasie-Inseln trägt man einen Kleinkrieg zwischen Freya und Hel aus, der Allvater Oden lässt sich nicht blicken, genauso all die anderen Figuren aus Edda und Co. - arm. Sehr arm.
Zu allem Überfluß auch absolut schlecht erzählt und öde. Mit “Wikinger-Saga” hat Viking mal nichts zu tun, manche Bucheinband-Zusammenfassung ist spannender.
Technische Unzulänglichkeiten en masse. Das fängt damit an das die Textboxen nicht umschalten wenn der Dialog weitergeht und hört gerade zum Ende des Spiels mit zickiger Kamera, Clipping, unschönen Schattenspielereien und dem einen oder anderen schwebenden Gegenstand in der Landschaft auf. Die SEHR deutliche “draw in”-Geschichte nervt auch, schon witzig wenn auf weitem Feld super-deutlich der Rasen reinploppt.
Der Sandbox-Ansatz ist nett aber überflüssig, und wird zum Ende hin etwas überstrapaziert weil die Laufwege größer werden ohne das Nennenswertes abzuschlachten ist.
Unschön das man dreimal dasselbe macht (Lager befreien, Drachen befreien, Turm säubern, Wikinger einsammeln) auf die drei Inseln verteilt.
Schleichpassagen nerven.
Quicktime-Events nerven. Weil inflationär eingesetzt und einfach nicht gut.
Kein Newgame+, ich werde jetzt ganz sicher nicht auf “Hard” nochmal bei 0 anfangen. Dafür ist das “Geld verdienen” in Form von Schatzsuche einfach viel zu nervig.
Spielzeit ist mir zu lang (war wohl irgendwas bei 20 Stunden bedient, hätten gerne auch bombastische 6-10 Stunden sein können).
Massenschlachten zwar fett von der Technik her, aber leider hat man da auch nichts von weil man sich selber nur die gegnerischen Schamanen rauspickt und eigentlich neben dem Schlachtgeschehen agiert, zum kotzen!
Moves kaufen = bescheuert (zumal nur die handvoll Standardattacken erweitert werden und es nicht mal neue Bewegungen gibt). Items und Zauberrunen = überflüssig, habe ich auch so gut wie nie benutzt)
Zielerfassung (die eigentlich keine ist, man schiebt den Held grob in die Richtung des Feindes und hofft das er den Feind hat, den man gerne erledigt haben möchte) bei großen Feindansammlungen von 5+ relativ unbrauchbar, besonders wenn keine Wand im Rücken und der Feind einen umkreisen kann.
Zu wenig Musik, irgendwie gibt’s nur 3-4 Tracks im Spiel und die sind auch noch recht zurückhaltend. Die meiste Zeit ist es Wind- und Wasserrauschen. An- und für sich nett, aber dreht halt in den fetten Szenen nicht ordentlich genug auf.
Endgegner erst frustig, dann einfallslos und billig. Ganz großes Fail! Gleiches gilt für den etwas enttäuschenden Abspann.
POSITIVES!
Landschaften sind schön, Wasser sieht auf die Entfernung großartig aus (leider trüben nicht vorhandene Brandung an Stränden den Gesamteindruck).
Architektur ist durchweg toll.
Designs durchweg großartig (auf diese Pathfinder-mäßige, dark fantasy-Art und Weise), wenn man von den Storyrelevanten Figuren (Held, Freya, Hel) absieht.
Ans Altnordisch/skandinavische angepassten Namen = cool.
Nordisch quatschender Boss = cool.
Schlachtendrama mit, ich schätze mal, über tausend agierenden Figuren, Feuer, Rauch, Drachen = awesöme!
Gewaltgrad erstaunlich hoch für ein Spiel das ich bei Amazon gekauft habe, da ist richtig Saft und Kraft hinter.
Es fliegen so einige Köpfe, Gliedmaßen und Oberkörper durch die Gegend. So soll es sein!
Kampfsystem bei überschaubaren oder schwachen Gegner sehr schön und läßt einige filmreife Aktionen zu; bspw. reinstürmen in eine Höhle wo drei Dämonenwikinger rumgammeln. Erster wird zur Seite geknockt, mit dem Speed des ersten Angriffs hackt man durch den zweiten, der dritte kriegt ebenfalls noch einen Schlag aus der Combo ab, wird danach “fatalitisiert” und der eingangs umgehauene rappelt sich gerade wieder auf und kriegt Nordmannen-Stahl zwischen die Hörner am Helm. Sache von einer Minute, aber man fühlt sich schon sehr männlich wenn man sich so durch kleine Gruppe hackt und wirklich das Gefühl hat das Kampfgeschehen zu bestimmen.
Wie gesagt, bei größeren Gruppen artet es zu sehr auf stetigen Rückzug bzw. billigst-Taktiken raus, im Zusammenspiel mit der Zielerfassung und durchwachsener Kollisionsabfrage.
Highlight ist also; Kampfsystem und nördliche Stimmung mit Leuten, Häusern, Stränden, Wäldern, Schnee und Eis. Superschade um das Potential, hätte durchaus eine Art Wikinger-NinjaGaiden werden können… ist aber mehr so ein Mischmasch aus allem möglichen geworden, dem ordentliche QualityAssurance nochmal echt gut getan hätte. Schade um die Thematik :(
~Aulbath